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Presse/Reviews
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Interview #7 (Jungle World, Mai 2008)
Interview #6 (Spex, Februar 2008) Interview #5 (Ox, Mai 2006) Interview #4 (Fiber, Mai 2006) Interview #3 (satt.org, Oktober 2005) Interview #2 (Indigo Notes, April 2002) Interview #1 (WOZ Musikbeilage, Juni 2002) Reviews zu "Der beste Augenblick ..." (2004) Reviews zu "La Beat" (2005) Aktuell |
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Intro | "Nie mehr vor Mittag" (Ritchie Records)
Vieles Fanzinemäßige ist verschwunden: das schwitzende Live-Foto im HC-Magazin oder die selbst gestemmten Singles, die direkt aus einem Club-Gig rausgeschnitten wurden. Bei Ritchie blitzt Letzteres aber manchmal noch auf und nach den Aeronauten, Tocotronic u.a. jetzt mal die Bernadette. Mit kaum mehr als der unverzerrten E-Gitarre begleitet sie sich, und die Aufnahmen klingen dementsprechend unmittelbar. Etwas, das sich anhört, als wäre man irgendwo wirklich dabei, funktioniert dann auch ganz einfach. Tolle Single, tolle Serie, tolle Künstlerin, tolle Songs ("Ein Mann mit Hang zur Depression", "Wilder Mann", "Bar Europa", "Nie mehr vor Mittag"). Intro, April 2006 |
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Intro | Die Braut haut noch härter - Bernadette La Hengst live
Die kleine Bar im Gebäude 9 ist scheinbar genau der richtige Auftrittsort für Bernadette La Hengst. Wenn ich mich richtig erinnere, zog sie schon das letzte Mal vor drei Jahren diesen intimen Bereich der deutlich größeren Halle vor. Zwar etwas schade, dass sie trotz ihres formidablen neuen Albums "La Beat" noch nicht die Massen zieht, um einen Umzug notwendig zu machen, so aber stimmt das Verhältnis von Zuschauern zum vorhandenen Platz genau. Gut für die Stimmung. Es gab Zeiten, in denen BLH noch Indiepop spielte. Das war, als es ihre Band 'Die Braut Haut Ins Auge' noch gab. Damals residierte sie mit ihrer Band in Hamburg, war integraler Teil der lokalen Musikszene der Neunziger Jahre und für mich neben Typen wie Begemann, Distelmeyer und Spilker Rolemodel in der Hinsicht, es mit Ideen, Ambitionen und Ehrgeiz heraus zu schaffen aus der ostwestfälischen Provinz in Umfelder von kreativem Austausch und Coolness, die in meiner Vorstellung damals das so ziemlich Erstrebenswerteste waren. Es sollte aber noch bis Ende der Neunziger dauern, bis auch ich den Sprung aus meinem Dorf, ein paar Orte von dem Dorf BLHs entfernt, schaffte. In der Zwischenzeit fing BLH an, nicht mehr nur Indiepop zu spielen, sondern einfach alles. Und ihre Ambitionen dürften mittlerweile die Idee vom Sprung aus der Provinz längst überstiegen haben. Nicht zuletzt sichtbar durch ihr Engagement für die nationalen Ladyfeste. Ihre Musik ist nicht mehr so eingängig-schön wie zu Zeiten ihrer alten Band, sie hat sich für ihre Solokarriere bewusst für Ecken und Kanten entschieden, vor allem lyrisch, und stellt einen R'n'B-Song munter neben einen Disco- oder einen Gitarrentrack. Keiner dieser Tracks ist Füllmasse, denn aus allen spricht eine kontrovers-brennende Relevanz, immer außerhalb aller Anklage-Konventionen, sondern jedenfalls für mich so verstörend wie zwingend. Dahinter steht die Verpackung nicht zurück: In den letzten Jahren sah ich sie mal mit zwei Typen im Hintergrund, mal nur unterstützt von ihrem Partner Ekkehard Ehlers. Nun kommt sie allein. Und mit neuen Tanzschritten. Botschaft allein war ihre Sache nie. Ihre Show lebt von der intensiven Interaktion mit ihrem immer sagenhaft bunt gemischten Publikum: Ist es gut drauf, kann ein Konzertsaal während eines Hengst-Konzertes vor lauter Gruppentänzen und Mitsingspielchen auch mal richtig schwül werden. Denn dann führt sie alles vor, springt, tanzt und spielt sehr ausladend ihre Gitarre. Trotzdem: Das Versprechen vom politisierten Dancefloor erfüllt sich bei kaum jemandem so explizit wie bei ihr. Weil sie klug und energisch ist. Weil sie den Eindruck macht, neue Erfahrungen sehr bewusst zu verarbeiten, z.B. ihre neue Rolle als Mutter. Und, und da bin ich mir sicher, weil sie sinnentleerte Massenveranstaltungen hasst. Sie hätte das Potenzial von Pop gerne ausgeschöpft. Und genau deshalb sind ihre Konzerte so gut, auch das im November-Köln machte da keine Ausnahme: Hört man ihr zu, kitzelt sie sowohl Körper als auch Geist. Sie vermittelt Haltung, Gesinnung und Spaß. Sie schafft das Gefühl von Gemeinsamkeit. Und sie gibt eine Ahnung davon, was Pop kann, gibt man ihm nur den richtigen Rahmen. www.intro.de, 21.11.2005 |
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Kieler Nachrichten | Bernadette La Hengst begeisterte mit plietschen Elektrochansons
Mit unwiderstehlicher Präsenz füllte sie die Bühne der Hansastraße 48: Bernadette La Hengst. Kiel - "Ich habe Hunger", singt Bernadette La Hengst, "ich bin niemals satt, ich bin gierig, übertrieben, unersättlich unzufrieden, es ist nie genug", und gibt gleich eingangs eine Kostprobe davon, was das Publikum in der gut gefüllten Hansastraße 48 in den nächsten rund zwei Stunden zu erwarten hat. Mit unwiderstehlicher Präsenz füllt die Wahlberlinerin die Bühne. Keine Band stärkt ihr dabei den Rücken, La Hengst gibt ein Solo mit Groovebox und Gitarre. "140 Beats per minute schlägt mein Herz mich bis zum Limit", rocken auf Plastik-Beats. Ihre zweite Soloplatte hat sie mitgebracht, La Beat, tanzbar und catchy. Hier geht in's Ohr in die Beine - und in's Hirn. Kapitalismus, Globalisierung, Geschlechterklischees, bei La Hengst kriegt alles sein Fett weg. Ohne langweiliges Genörgel, sondern laut, humorvoll, beseelt und mit Grips. Und sie ist die Entertainerin, bringt das der Legende nach öde norddeutsche Publikum dazu, den 150-köpfigen Gospelchor zu geben. "Liebe", singen sie links. "Geld", antworten sie rechts, während La Hengst in Her mit der Utopie den Kompromissen den Garaus macht. Aber auch Stücke ihres Solo-Debüts Der beste Augenblick in deinem Leben hat sie im Gepäck, wie etwa Die da oben machen ja doch was wir wollen - mittlerweile vielleicht heimliche Hymne der Antiglobalisierungsbewegung. "Und wir argumentieren, und wir analysieren, doch wir werden verlieren, wenn wir uns nicht organisieren", singt sie. Keine leeren Worthülsen, denn La Hengst tanzt selbst auf vielen Hochzeiten, organisiert Kongresse zu alternativer Stadtplanung, stellt feministische Kulturfestivals auf die Beine und ist Mitglied der dadaistischen Künstlerkapelle Schwabinggrad Ballet. Sie ist die ungezügelte Diva, eben 140 Beats per minute. Doch auch die kommt mal zur Ruhe und lässt mit ihrer warmen Stimme die Herzen schmerzen bei Akustikversionen von 'Zug ohne Bremse' oder ihrer 'Bar Europa'. Es ist nicht nur die Musik. Nicht nur ihre plietsch getexteten Elektrochansons machten ihr Konzert einmal mehr aus. Bernadette La Hengst ist Gesamtkonzept, sie fasziniert, ist Rolemodel für andere Musikerinnen, nimmt sich so unverkrampft ihren Raum. Mädels, gründet Bands, möchte man rufen. Die Welt braucht mehr davon! Karen Jahn, Kieler Nachrichten vom 31.10.2005 |
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Die Welt - Hamburg | Welt verbessern und dabei singen wie ein
Lutschbonbon aus Knisterbrause
"Der beste Augenblick in deinem Leben ist gerade eben jetzt gewesen", sang Bernadette La Hengst vor drei Jahren auf ihrem feinen Debütalbum als Solo-Künstlerin: Zuvor hatte sie ein Jahrzehnt lang mit der Hamburger Band "Die Braut haut ins Auge" jene Saat gesät, die heute Bands wie "Wir sind Helden" so erfolgreich ernten. Zu Beginn ihres gutbesuchten Konzerts am Samstag abend im Knust entschuldigt sie sich für ein halbes Jahr Hamburg-Abstinenz: In Berlin lebt sie heute, schauspielert, produziert, hat eine kleine Tochter. Dann wirft die blonde "Rockerbraut & Mutter", so einer ihrer Songtitel, den Discman und den Sampler an und quirlt über die Bühne: Bunt wie ein Wassereis für Kinder mit dem blaßgrünen Minikleid und den roten Lederstiefeln, explosiv wie ein Knisterbrausebonbonsplitter. "Her mit der Utopie", fordert sie im Beatwirbelsturm "globales Denken" statt "Globalisierung" zu einer funky Tanznummer. Alte Hamburger Weggefährten unterstützen sie mit Gastauftritten: das schräge Tanz- und Gesangswunder Knarf Rellöm und ihre ehemalige Die-Braut-Kampfgefährtin Peta Devlin. Nach anderthalb Stunden setzt eine völlig abgekämpfte La Hengst zu einer melancholischen Die-Braut-Nummer an. Peta Devlin stimmt mit ein. Und die böse Welt draußen gibt Ruh'. Für eine Popsong-Länge zumindest. mgb, Die Welt vom 24.10.2005 |
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Spex | La Role Model
Warum heißt es eigentlich "der Beat", wo doch so viel mehr Frauen so viel besser tanzen als Männer? Bernadette La Hengst, Ex-Wahl-Hamburgerin, jetzt Wahl-Berlinerin, hat das mit ihrem neuen Album richtig gestellt: "La Beat" lautet das korrekte Genus. Angesichts dieses Titels ist es kein Wunder, daß das zweite Soloalbum der ehemaligen Die Braut haut ins Auge-Sängerin wesentlich rhythmusbetonter ist als ihr vorheriges Schaffen (was zum Teil auch am Co-Produzenten Ekkejard Ehlers liegen mag). Zudem ist der Titel viel internationaler als der ihres letzten Albums "Der beste Augenblik in deinem Leben ist gerade eben jetzt gewesen". Und kürzer ist er außerdem. Es scheint, als habe diese Platte das Verlangen, sich in der Welt auszubreiten, genauso wie der auf ihr im gleichnamigen Song beschriebene Virus mit dem Namen "Copy me (I want to travel)", der in den 80er Jahren von einer bulgarischen Hackerin um die Welt geschickt wurde. La Hengst als Kulturexport? Immerhin hat Bernadette letztes Jahr auf zwei Ladyfesten in England gespielt. Und warum auch nicht, das Goethe-Institut hat schließlich schon ganz andere in der Welt herumgereicht. "La Beat" ist vor allem eine persönliche Bestandsaufnahme. Die 14 Songs klingen wie die Antwort auf das vor zwei Jahren erschienene Sterne-Album "Das Weltall ist zu weit". Wo die Blickrichtung von Frank Spilkers Texten von außen nach innen ging und sich größtenteils auf Festhaltungen beschränkte, beschreitet Bernadette La Hengst den umgekehrten Weg. Und das ist, bei allem Respekt vor den Sternen, der glaubwürdigere und auch der fruchtbarere Weg der künstlerischen Stellungnahme. Gegen "La Beat" wirkt das Sterne-Album fast wie eine Montagsdemo. Im Song "Nie mehr vor Mittag" geht es z.B. darum, mit dem Thema Arbeitslosigkeit kreativ umzugehen. "Es ist der Versuch, dieses "Feld der Depression" anders zu besetzen und zu sagen: Vielleicht ist das Leben mit Vollzeitbeschäftigung gar nicht erstrebenswert, vielleicht gibt`s ja auch noch ganz andere Sachen. Jetzt muß ich natürlich vor Mittag aufstehen, weil ich eine Tochter habe (lacht), aber man muß sich immer wieder selbst fragen, ob dies auch wirklich das Leben ist, das man wollte, oder ob man nicht nur in einer Maschine mitläuft." Bernadette ist letztes Jahr Mutter geworden, und es wäre ganz und gar untypisch für sie, wenn sie ein solches Ereignis nicht auch auf dem Album thematisieren würde. Resultat ist der Song "Rockerbraut & Mutter". "Natürlich hatte ich Angst davor, als freie Künstlerin, wo der Lebensunterhalt eben nicht immer gesichert ist, ein Kind zu bekommen. Man braucht ja auch Zeit für sich, man sitzt ja nicht acht Stunden im Büro, sondern muß sich treiben und inspirieren lassen. Also habe ich nach Rolemodels gesucht, bei denen ich sowas wie Zuversicht gewinnen kann, daß diese Dinge zu vereinbaren sind. In meinem Freundeskreis gab es da recht wenige, die meisten Künstlerinnen haben nach der Geburt ihres Kindes aufgehört oder weniger Kunst gemacht. Oder es sind Madonna oder Björk, die sich dann ein Kindermädchen leisten können, das mit ihnen um die Welt reist. Ganz ohne Rolemodels ist es halt schwierig, so ein Leben zu leben und immer zu wissen, was man da tut. Also wollte ich das thematisieren und habe auch versucht, mit dem Lied mein eigenes Rolemodel zu schaffen. Jetzt bin ich gespannt, was da zurückkommt." Mühelos schaffen die Songs auf "La Beat" den Spagat zwischen Persönlichkeit und Politischem. Und: Sie machen Hoffnung. Und ganz nebenbei findet man hier einige der schönsten Songs, die die Dame namens La Hengst je geschrieben hat. Ralf bei der Kellen, Spex 10/2005 |
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Junge Welt | Glück kennt keine Angst
Nur mit Georg Lukács zu begreifen: Auf »La Beat« singt Bernadette La Hengst besten deutschsprachigen Pop Hin und wieder nehmen sich ein paar Außerirdische die Zeit, um die zurückgebliebene Menschheit via Genexperimenten mit außergewöhnlichem Nachwuchs zu beglücken. Dies wurde von John Carpenter mit dem Dokumentarfilm »Dorf der Verdammten« 1995 wissenschaftlich bewiesen. In einem amerikanischen Küstenstädtchen werden die telepathisch zwar hochbegabten, aber insgesamt eher unleidlichen Sprößlinge von einem recht agilen Christopher Reeves zur Räson gebracht. In Europa konzentriert sich die extraterrestrische Forschung auf das tiefste Westfalen, genaugenommen auf das unauffällige Kurörtchen Bad Salzuflen nahe Bielefeld. Dort wurde zur Freude des Publikums offensichtlich mit musikalischer Begabung experimentiert. Bad Salzuflen hat die deutsche Popmusik einiges zu verdanken, z. B. ihre Existenz. Ohne Bad Salzuflen gäbe es keinen Honoré de Balzac des deutschen Pop (Bernd Begemann) und keinen »Universal Tellerwäscher« (Die Sterne). Vor allem aber hätten die Deutschen keine Soulsängerin, die sie auch prompt gar nicht verdient haben: Bernadette Hengst. (»Soul« müssen wir hier in Ermangelung eines besseren Begriffs mit den schrecklichen Worten »emotionale Dichte« synonym setzen, was bedeuten soll, daß der Künstler durch die außergewöhnliche Güte seines Vortrags den Hörer in einen realistisch-euphorischen Zustand versetzt, der ihm die Kraft verleiht, die gewöhnlichen Dinge des Lebens so zu sehen, wie sie ihrem Wesen nach sind, und ihm für den Alltag Mut macht, diese zu verändern.) Bernadette Hengst zog es wie sämtliche andere Salzufler Pop-Wunderkinder in das deutsche Liverpool, nach Hamburg, wo sie Deutschlands vielleicht hinreißendste, bestimmt aber meistunterschätzte Band gründete: Die Braut haut ins Auge, die sich leider nach zehn Jahren und drei gebenedeiten CDs sowie Hunderten großartigen Live-Konzerten im Jahr 2000 auflöste. Seit 2002 hat die Neu-Berlinerin nun ihr eigenes Soloprojekt am Start, bei dem sie als Bernadette La Hengst firmiert. Damals überraschte sie das Publikum mit der CD »Der schönste Augenblick in deinem Leben«, einem Potpourri aus Synthie-Punk, Antiglobalisierungs-Agitprop und klassischem Pop, für den Madame La Hengst stets schon ein auserwählt gutes Händchen hatte. Nun erscheint mit »La Beat« ein weiterer heterogener Genre-Mix, der sowohl musikalisch als auch inhaltlich den Faden der ersten CD weiterspinnt. Sie hätte es auch einfacher haben können und nur den Powerpop aus alten Braut-Tagen neu aufzuwärmen brauchen, denn schließlich entdecken sämtliche erfolgreichen Jung-Bands von Wir sind Helden abwärts die Musik von Die Braut haut ins Auge als musikalische Blaupause für ihre aktuellen Hits. Auf »La Beat« sind statt dessen Lieder versammelt, die sich im Spektrum zwischen Elektro-Boogie, HipHop, Dub, Synthi, Folk und grandiosem Pop bewegen, die mal besser, mal weniger gut (schreibt einer, der immerhin seinerzeit »Sandinista« von den Clash für die schlechteste Platte aller Zeiten hielt!) und manchmal so gut sind wie noch nie. Das schlichte, nur in den Kategorien von Georg Lukács’ zu begreifende Lied »Zug ohne Bremse« ist der beste Pop-Song in deutscher Sprache seit langem. Hier wird man Zeuge einer vollkommenen Form-Inhalt-Übereinstimmung, Wort, Musik und Klang bilden hier eine organische Einheit. Erscheinung und Wesen, Äußeres und Inneres, Text und Musik fallen vollkommen ineinander. Die Musik ist wundervoll wie der Text, das Wort stimmt bis in die letzte Silbe mit der Musik überein und ist selber schon Musik, obendrein engelsgleich gesungen und klug: »Das Glück möchte allen erzählen, was im Leben passiert / Wie etwas ganz unerwartet zu Veränderungen führt / und es trägt keinerlei Absichten mit sich herum / außer daß es der Wahrheit ein Stück näher kommt / Das Glück will immer berühren / es kennt keine Angst / vor zu großen Gefühlen / und es hat keine Distanz / Solange wir selbst nicht wissen, was wir vom Glück wollen / tun wir nur das, was wir müssen / anstatt es uns zu holen / Das Glück kommt immer genau dann / wenn man noch gar nicht bereit ist /doch ich hab keine Angst vor einer neuen Zeit.« Dieser Song ist eine fünfminütige Zusammenfassung der bisherigen Menschheit und bedeutet so etwas Ähnliches wie der ontologische Gottesbeweis für Anselm von Canterbury und das identische Subjekt-Objekt für idealistische Philosophen – mit dem kleinen Unterschied allerdings, daß es dieses Kunstwerk tatsächlich gibt. Mit diesem Lied kann man auf einem Seil über Abgründen spazierengehen. So etwa muß es klingen, wenn man im Paradies baden geht. Daß Pop und politische Agitation im Land Konstantin Weckers tatsächlich einmal eine glückliche Verbindung eingehen können, beweisen »Her mit der Utopie« (»Ich will nicht täglich entscheiden müssen / zwischen Scheiße und Scheiße«) und der »Hartz IV«-Verlierer-Hymne »Nie mehr vor Mittag« (»Langeweile ist ein Job von acht bis vier, den niemand haben will / ein Kasten Bier nach Feierabend macht uns sicher / hält uns warm und hindert uns daran / endlich einzusehen, daß Arbeit nur unsere Zeit stiehlt und unsere Ideen«), mit der La Hengst wie ganz selbstverständlich als Linksaußen in der Ray-Davies-Liga spielt. Deshalb: Demut! Man muß einfach festhalten, daß hier ein paar Lieder für die Ewigkeit geschrieben worden sind. Zu den Konzerten ist anzuraten, angemessenes Schuhwerk in Form von mit religiöser Inbrunst geputzten Bass Weejun Kiltie Tassle Loafers anzulegen. Reinhard Jellen, Junge Welt vom 28/9/2005 |
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Musikexpress
Bad Salzuflen weltweit: (fast immer) treffsicherer Polit-Pop der Ex-Braut-haut-ins-Auge-Frau. Hier ist allerhöchstens eine ungefähre Annäherung möglich. Das hier überbordend zu nennen, ist noch euphemistisch ausgedrückt. Zur Besprechung von "La Beat", dem zweiten Soloalbum von Bernadette La Hengst (bei dieser biografischen Klammer fängt es schon an: gebürtige Ostwestfalin, Ex-Die-Braut-haut-ins-Auge, Teilzeit-Huah!, jetzt Schwabinggrad Ballett-Mitglied; aber auch Ex-Booking-Agentur-Chefin, Mädchenband-Coaching-Projekt-Dozentin und jetzt neu: Mutter – kurz also: (Lebens-Künstlerin) muß die Platte erst mal runtergebrochen werden. Auf 14 Liedern und knapp 55 Minuten beispielsweise. Aber schon eine Aufzählung der zahlreichen Mitstreiter... hoffnungslos. Und auch bei den Themen kommt man kaum über Allgemeinplätze wie: "Die Songs bewegen sich zwischen privatem Raum und politischer Weltbühne" oder "Die Texte treffen meistens entweder ins Herz oder den Nagel auf den Kopf" (Ausnahme: "Globe" – denn über Globalisierung kann man sicherlich nicht nur schlagwortartig auf englisch singen bzw. rappen) hinaus. Bleibt die Musik. Wie wärs mit Wortungetümen wie "Elektro Groove Chanson Agit Pop"? Oder "Schrammel Gitarren Funk Polit Beat"? Kommt ungefähr hin für eine Musik, die vom Selbstzitat ("Warum nicht 2" – das eine Quasi-Neu-Version des Braut-haut-ins-Auge-Hits "Warum nicht" ist) über Samples von Straßenmusik koreanischer Bauern auf einer WTO-Demonstration bis hin zu Queens "Bohemian Rhapsody" alles verwurstet. Anders ausgedrückt: die die großen Lücken zwischen Le Tigre und Jens Friebe füllen kann. Das will wohl keiner lesen, oder? Aber hoffentlich hören. VÖ: 19.9. Stefan Weber, Musikexpress 10/2005 |
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Abendzeitung München | Coole Forderung nach der Utopie
Die Lust kopiert zu werden - Bernadette la Hengst hat ihr zweites Solo-Album veröffentlicht Bernadette La Hengst neuestes Album "La Beat" (Trikont) führt eine Künstlerin vor, die ihre Musik konsequent zu musikalischer und inhaltlicher Komplexität führt. Man hört im Hintergrund die Predigt eines Reverend, den Gesang indischer Jugendlicher. Die Texte, teils deutsch, teils englisch, liegen auf einer Musikfläche, die zwischen die Pfosten Rock, Folk, Disco und Elektronik aufgespannt ist. Es ist die zweite Solo-Arbeit der Sängerin, die 1990 ihre Karriere mit der Band Die Braut haut ins Auge begann. La Hengst ist eine Künstlerin, für die eine durchlässige Membran zwischen Kunst und Leben liegt. So kann Bernadette selbst die Globalisierung mit Musik beschreiben. Aber es ist nicht die Rückkehr der Politik im Sinne des klassischen Protestsongs, denn das Flugblatt Bernadette fordert gegen die diskursive Verzettelung in großen Lettern "Her mit der Utopie". "Ich spreche für euch alle", verspricht sie, unterstützt von einem cool präsenten E-Bass. Musik schafft Konsens, aber die Führungsrolle in ihrem eigenen Gedankenspiel will Bernadette nicht übernehmen. Den Künstler besitzt niemand, denn es gibt ihn gar nicht als Einzelperson: "Ich bin kollektiv, und das will ich auch bleiben", singt Bernadette in einem Stück mit dem feinsinnigen Titel "Copy me (I want to travel)". Dieser Versuch, die Gesellschaft mit den Mitteln der Disco zu beschreiben, oder umgekehrt, die Disco als Gesellschaftsmodell zu sehen, erinnert an Bands wie F.S.K. Und es könnte sich die Vermutung aufdrängen, hier würde akademisch musiziert und mit der Emotionalität eines wissenschaftlichen Vortrags doziert. La Hengst singt über "Das Glück" und "Den Schmerz", schraubt die Begriffe auseinander, betrachtet die Einzelteile, um sich dann der Betrachtung ihres Herzens zuzuwenden. "Zug ohne Bremse" ist ein Song, der verrostete Worte neu aufpoliert, ohne sie gleichzeitig mit Gefühl zu schmieren. Emotion ist auf diesem Album nichts, was mit formalen Mitteln zu erreichen ist: Durch das sanfte Ruckeln der Musik, zwischen Mandoline, Cello und Klavier, beginnen die Worte aus sich heraus zu leuchten. Christian Jooß, Abendzeitung München vom 24/9/2005 |
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Intro | Kollektivität ist ein Thema
Und der Beat geht weiter. Oder besser "La Beat", so nämlich der schlichte Titel des ganz und gar unschlichten, vielmehr extrem vielgestaltigen zweiten Soloalbums von Bernadette "La" Hengst. Und diesmal ist es nicht der 60s-Beat ihrer ehemaligen Band Die Braut Haut Ins Auge, der hier voll die Schlagkraft entwickelt, sondern ein innovativ hybrider und mitunter harter Beat. Und der ist nicht nur toll tanzbar, sondern spiegelt in seiner flackernden, stampfigen Nervosität - quasi als mythenreiche Hintergrund-Kulisse - auch die Unruhe des neoliberalen Auf-und-ab-Terrors wider, über den die Agitprop-Chanteuse hier dauernd so singt, gipfelnd in der tragikomischen Zeile: "Willst du lieber meinen Hunger oder meinen Durst?" La Hengst hat "La Beat" fast alleine geschrieben und produziert und das Kunststück vollbracht, ihre Beats dennoch nach ganz viel Kollektivität klingen zu lassen - und das nicht nur wegen der vielen Gastmusiker. "Kollektivität ist ein Thema des Albums", sagt sie. Allein die Geschichte des grandios-zitatreichen Stücks "Copy Me" sprengt leider den Platz hier: Mittels des Samples eines koreanischen Bauern, aufgenommen während einer WTO-Demo, kommentiert sie die Copyright-Problematik von Sampling überhaupt, usw. usf. Form und Inhalt flirten sich hier dauernd gegenseitig an. Der Refrain des Stücks passt z. B. super zu der beeindruckend utopischen Gedanken- und Musikwelt, die dem aufregenden Album zugrunde liegt: "Ich bin eine Idee und gehöre keinem." Was nicht bedeutet, dass es hier nicht auch wirklich packend und emotional zugehen würde, inkl. persönlichem Schmerz der Künstlerin selbst. Die Ups & Downs sind hier auf allen Spuren, und sie sind ergreifend. Michael Schneider, Intro 10/2005 |
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Intro | Review
Wer hat La Beat? Na, Bernadette La Hengst - und das schon lange. Früher in Bad Salzuflen auf den Fast-Weltweit-Kassettensamplern, später in Hamburg bei Huah!, den Mobylettes und Die Braut Haut Ins Auge, beim Schwabinggrad Ballett und auf ihrem ersten Soloalbum "Der Beste Augenblick In Deinem Leben". Inzwischen wohnt Frau La Hengst mit Mann und Tochter in Berlin und legt mit "La Beat" nach. Der Eröffnungstrack "La Beat Goes On" ist ein dubbiger Herbst-Hit. Über gepitchten Kreischzeilen des Preachermans Reverend Ribbing frohlockt La Hengst "My heart is singing to the La La La La La Beat", skandiert "Drrrding ding, drrrdong dong" und rappt locker drauflos. Muss man gleich noch mal anhören. Die nachfolgenden Stücke brauchen länger, um anzukommen. Sie sind oft midtempo, mal voll-, mal semi-elektronisch oder handgemacht; an manchen Stellen scheinen die Sounds mit La Hengst durchzugehen, vor allem, wenn sie "Hunger" hat oder in "Hast Du Jemals Überlegt?" den Hörer etwas stresst. Ansonsten klingt sie engagiert und charmant zugleich, grüblerisch und fordernd (in "Warum Nicht 2" oder auch "Her Mit Der Utopie"), hat aber auch wirklich schöne, herzerweichende Balladen im Angebot ("Zug Ohne Bremse" oder "Krachgarten"). Weiteres Highlight ist ihr Beitrag zu Hartz IV: "Nie Mehr Vor Mittag" ist eine flotte, kinderliedartige Hymne ans Nie-mehr-vor-Mittag-aufstehen-Wollen, inklusive Chor und klasse Text. Übrigens hat sich Frau La Hengst für ihre Platte tatkräftige Unterstützung geholt, u. a. von Rhythm King And Her Friends, einigen Mitgliedern des Schwabinggrad Balletts, aber auch von ihrer ehemaligen Braut-Mitstreiterin Peta Devlin, mit der sie zusammen "Rockerbraut & Mutter" (sic!) singt, einen groovy Song, in dem man sogar eine Melodielinie aus Queens "Bohemian Rhapsody" erkennen kann. "La Beat" ist übrigens auch die französisch-italienische Koseform für die Beat Generation (ihr wisst schon, Jack Kerouac und so), und wer weiß, vielleicht hatte Frau La Hengst die ja auch ein bisschen im Hinterkopf beim Arbeiten an dieser bunten Platte. My heart is singing ... Barbara Schulz, Intro 9/2005 |
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www.laut.de
Das zweite Album von Bernadette La Hengst ist ein Paukenschlag! Ohne Lärm, aber mit genug Druck, um wie der Herzschlag den Menschen am Leben, den Hörer bei Laune zu halten. Eine Standortbestimmung der geballten Schaffenskraft einer Künstlerin, Rockerbraut, Aktivistin, Dozentin, Mutter, Schauspielerin und nimmermüden Frau. Ausgestattet mit der Fähigkeit, niemanden zu verletzen, obwohl sie Inhalte direkt kommuniziert. "La Beat" spannt von den ersten Gospel-Momenten in "La Beat Goes On" bis zu den letzten cheesy House-Klängen in "Wissen Was" einen ansprechenden Spannungsbogen. Auch wenn dieser auch mal unspektakulärere Momente offenbart. Die über Hip Hop-Beats gestellten Fragen an die eigene Tochter in "Rockerbraut und Mutter" bestechen mit Ehrlichkeit, ohne ins Pathetische abzudriften. Diese Leistung verzeiht sogar echt störende "Bohemain Rhapsody"-Kitschmomente gegen Ende des Liedes. Der nächste Song "Hunger" hüllt sich als Lebensgefühl in ein erfrischendes wie simples technoides Sound-Gewand, dass selbst mit Loch im Bauch zu verführen weiß. "140 Beats per Minute schlägt mein Herz mich bis zum Limit!". Ähnlich unbeschwert wippt "Warum Nicht 2" in die Gehörgänge, treibt und mahnt an, aber "warum nicht?” Die größten Momente des Albums enthält "Zug ohne Bremse". Hier gelingt neben Gesang, Melodie und Text auch die perfekte Atmosphäre. Der Spannungsbogen führt mittels Cello und Geige ganz eng ans Herz und ins Glück. Das darauf folgende "Meeting Cybermohalla" fällt mit seinem Interlude-Charakter ein wenig aus der Rolle. Das Zusammentreffen von jugendlichen Gesängen aus dem indischen Delhi mit einem Gameboy-Klanggerüst verläuft leider ähnlich spannungsarm, wie der hundertste Durchlauf des Level 1 von Super Mario Land. Andererseits: Wo, wenn nicht an dieser Stelle, ist eine kurze Verschnaufpause angebracht? Hinter "Globe" verbirgt sich eine Mischung aus dem Intro der Talkshow Ricky (kennt die noch einer?), dem "Oh Oh" der Teletubbies und softem Elektro-Gefrickel. Die allesamt erwähnten "talk about"-Themenvorschläge eignen sich hervorragend für stundenlange Kontroversen, aber garantiert nicht für "Globe"-alisierungsgegner (Man möge mir dieses Wortspiel bitte verzeihen!) Wem das alles nicht reicht, dem könnte "Her mit der Utopie" aus der Seele sprechen, die anderen dürfen (sollten aber nicht) das Lied bis zu "Nie Mehr Vor Mittag" verschlafen, ein reizender Soll/Ist-vergleich unterlegt mit Chor, Gitarre und Glockenspiel. Nur der Schwur "Nie mehr vor Mittag aufstehen!" erscheint bei einer solch umtriebigen Künstlerin wie Bernadette La Hengst schwer nachvollziehbar. Mit "Krachgarten", das weniger krachend und mehr verträumt vor sich hin blüht, und "Wissen Was" samt Ansage "Du solltest wissen was du willst, solltest wissen was du nicht willst!" klingt "La Beat" auch mit cheesy House wieder sanft aus. Es bleibt die Gewissheit, dass ein solches Album in jede gut sortierte Plattensammlung gehört. Du musst nur: Wissen was du willst. |
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Brigitte | Rockendes Role Model
Dürfte ich ein Role Model für junge Mädchen aussuchen, würde ich Bernadette La Hengst auswählen. Denn in einer Welt, in der engagierte Musikerinnen leider immer noch nicht zum Alltag gehören, macht Bernadette La Hengst seit Jahren hervorragende Musik mit engagierten, intelligenten Texten - in den Neunzigern mit der Girl-Pop-Punk-Band "Die Braut haut ins Auge", seit 2002 erfreut sie solo mit "elektronischen Chansons" die Ohren. Außerdem coacht und produziert sie Nachwuchsmusikerinnen, reist als Schauspielerin, Regisseurin und Performerin durch die Republik und ist seit einem Jahr Mutter von Tochter Ella Mae. Und jetzt hat sie mit "La Beat" wieder ein hörenswertes Soloalbum vorgelegt, noch etwas elektronischer als das letzte ist es ausgefallen. Wie der Titel es ja schon nahe legt, spielt der Beat in den Songs eine große Rolle, mal ist er treibend, mal kontemplativ, mal verspielt, und dazu erzählt Bernadette über ihre jetzige Existenz als "Rockerbraut & Mutter", über ihren Hunger nach Leben und über Utopien für "Kulturgeschockte und vom Leben Gerockte". La Hengsts Elektropop mit HipHop-, House- und sogar Gospel-Einsprengseln ist intelligent, atmosphärisch dicht und über weite Strecken äußerst mitreißend! Simone Rafael, Brigitte 10/2005 |